Verfasst von: Lara | Februar 1, 2010

eBays nächster großer Schlag

Es ist mal wieder so weit – eBay holt zu einem nächsten Schlag aus, um noch mehr Profit auf dem Auktionsmarkt für sich herauszuschlagen. Vor einiger Zeit hatte das Online-Auktionshaus bereits für Unmut bei den Verkäufern gesorgt, als es “kostenlosen Versand” für bestimmte Artikel für bestimmte Kategorien als verpflichtend bestimmt hatte. Übersichtlichkeit und Transparenz sei damit stärker gewährleistet. Verkäufer warfen eBay vor die Monopolstellung auszunutzen, wobei besonders die Privatauktionäre gegängelt würden. Artikel für einen Euro, für die eBay nach wie vor keine Einstellungsgebühren verlangt, rentieren sich nun nicht mehr, wenn sie für eben diesen Preis verkauft werden. Stellt man sie dagegen zu einem höheren Preis auf die Auktionsplattform werden automatisch höhere Gebühren fällig. Zugegeben: Die Käufer profitieren hier unter dem Strich und auch was die Verkäufer angeht hat eBay wenig zu befürchten, denn Abwanderungsgefahr besteht dort, wo der Raum zur Abwanderung fehlt, nicht.

Am 25. Februar 2010 erfolgt der nächste Streich, ab diesem Datum können nämlich Verkäufer mit weniger als 50 Bewertungspunkten, nur noch Artikel verkaufen, wenn sie sich für das hauseigene Bezahlsystem Paypal registriert haben und dieses zumindest als eine Zahlungsoption verwenden. In anderen Worten bedeutet dies, dass künftig insbesondere alle neuen eBay-Händler bei Paypal registriert sein werden. Für den Käufer bedeutet dies erneut eine erhöhte Transaktionsgeschwindigkeit und mehr Sicherheit, im Falle einer Zahlung per Paypal fallen jedoch höhere Kosten für die Verkäufer an, die an Paypal gehen.

Den ersten Schritt in diese Richtung wagte eBay 2008, als sie Paypal als Zahlungsoption auf ihrer australischen Präsenz verpflichtend vorschreiben wollte. Die Australische Wettbewerbsbehörde (ACCC) schaltete ein und bat das Online-Auktionshaus seine Entscheidung noch einmal zu überdenken, worauf eBay zunächst den Termin um etwa einen Monat verlegen und schließlich ganz aufgeben musste, als die ACCC einen entsprechenden Veto-Beschluss vorlegte.

Der jetzige Vorstoß wird, das ist bereits sicher, ebenso Kritiker und das Kartellamt auf den Plan rufen. Mit der Ausnahmeregelung von 50 Bewertungspunkten hat eBay dieses Mal zumindest ein Ass mehr im Ärmel, um dem Vorwurf der Ausnutzung seiner Monopolstellung zu begegnen. Ob dies in den nächsten Wochen ausreichen wird, wird sich zeigen. Große Abwanderungswellen sind erneut nicht zu erwarten: Wenngleich beim größten Konkurrenten hood.de mittlerweile täglich etwa 1.000.000 Artikel auf dem Auktionstisch liegen ist die Popularität vergleichsweise gering, was zu geringeren Verkaufspreisen führt.  Auch die Sicherheit wurde bei “Deutschlands zweitgrößtem Internetauktionshaus” bereits des öfteren kritisiert, weswegen Stiftung Warentest unter anderem nur ein “ausreichend” verteilte. Der Wettbewerbsvorteil, der in erster Linie durch das breit gefächerte Angebot entsteht, ist eben doch größer als das zugegebenermaßen verlockend klingende Versprechen der Provisions- und Kostenfreiheit beim kleinen größten Konkurrenten.

Spannender ist die Frage, was sich eBay noch leisten kann und was in Zukunft aus dem Auktionsriese des Internets wird. Ganz ungetastet von Protesten der Nutzer ist eBay in jedem Fall nicht: der Zwang zu verpflichtenden Versandkosten wird zum 08. Februar 2010 nach nicht einmal einem Jahr gekippt und durch eine Versandkostenobergrenze von 7 EUR ersetzt.

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Antworten

  1. Typisch ebay halt. Da haben sie gemerkt, dass die Verkäufer doch nicht ganz doof sind und statt für lau zu verschicken einfach nichts mehr verkaufen – und schon wird alles wieder klammheimlich rückgängig gemacht. Ebay macht alles für seinen eigenen Profit, aber das ist ja nichts Neues …


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