Nur ein kurzer Hinweis auf ein weiteres Beispiel “guten Journalismus”, erneut bei ZEITonline. Hatte ich mich vor Kurzem noch über einen banalen Stilfehler beschwert, ist heute ein schwerer semantischer Schnitzer dran: Die Ölkatastrophe wird in diesem Artikel bei ZEITonline “Naturkatastrophe” genannt. Hinsichtlich der Ursachen könnte es nicht weiter vom sonst üblichen Gebrauch des Wortes sein. Die Kommentare unter dem Artikel sind bislang übrigens sehr interessant zu lesen.
Verfasst von: Lara | Mai 24, 2010
BPs handgemachte Naturkatastrophe
Veröffentlicht in Medien, Uncategorized | Schlagwörter: Ölkatastrophe, BP, Journalismus, Naturkatastrophe, online, ZEITonline









Bist Du nicht zu streng? Im Artikel selbst ist von Umweltverschmutzung, bzw. -katastrophe die Rede, die Einordnung bzw. das Schlagwort lautet Naturkatastrophe, was natürlich falsch bzw. euphemistisch ist.
Von: metepsilonema am Mai 24, 2010
um 3:15 nachmittags
” die Einordnung bzw. das Schlagwort lautet Naturkatastrophe, was natürlich falsch bzw. euphemistisch ist.”
Genau, und darum geht es. Wasser und Öl an einem Ort: Es war immer klar, dass es das Risiko einer solchen Katastrophe gibt. Man ist das Risiko bewusst eingegangen und hat es nicht verhindern können. Es wird sich später herausstellen, was die genaue Ursache war. Eins steht aber schon jetzt fest: Eine Naturkatastrophe ist es nicht, sondern ein durch und durch von Menschenhand verursachte Beschädigung der Umwelt. Es mag sein, dass die Grenze zwischen “Naturkatastrophe” und “Katastrophe für die Natur” gering erscheint. Angesichts der Tatsache, dass die versunkene Bohrinsel bei vielen Mitbürgan unter “kann passieren” läuft halte ich die Kritik für angebracht.
Es ist ja nur eines von vielen Beispielen, bei denen die Warnenden im Vorfeld als rückwärtsgewandte Vollidiota dargestellt und im Nachhinein die Schultern gezuckt werden. In dieses Phänomen passt das Wort “Naturkatastrophe” für technisches und menschliches Versagen im Golf von Mexiko wie die Faust aufs Auge.
Von: Lara am Mai 24, 2010
um 4:16 nachmittags
Umweltkatastrophe wäre das passendere Wort, aber eines mit dem ich ganz zufrieden wäre finde ich nach kurzem Nachdenken eigentlich nicht.
Du hast mit Deiner Kritik auf recht, es handelt sich ja nicht um irgendein Blatt, sondern eines aus dem Segment Qualitätsjournalismus. Weit schlimmer wäre es aber, wenn der Artikel selbst Propaganda streute…
Von: metepsilonema am Mai 26, 2010
um 5:07 nachmittags