Verfasst von: Lara | Mai 24, 2010

Finden wir Zeit? Zeit für Demokratie?

Stell dir vor, wir haben Demokratie, und keiner geht hin. Und du siehst es, und sagst bloß: Es ist keine Zeit. Dann werden andere deine Sache tun, und eh du’s bemerkst, ist es zu spät! Also sagt nicht, es sei keine Zeit. Und sag nicht, du kannst dich nicht kümmern.

Wer mitbestimmt, steht in einer Bringschuld, und ein Kreuz zu machen, ist zu wenig, man muss davor abwägen und danach beobachten. Das fordert Zeit, Geduld, und Mühe. Aber es scheitert schon daran, dass niemand Zeit hat. Oder?

Wir sind was wir tun, wir leben unsere Entwürfe, das sagen Liberalismus, und Moderne. Und sie haben recht, wenn sie damit meinen, dass man niemand zwingen soll.

Wir erledigen Dinge häufiger, schneller und in größerer Zahl, als in vergangenen Jahrhunderten, weil es uns die Technik ermöglicht. Aber wir geraten in einen gefährlichen Kreislauf: Unser Leben beschleunigt sich, weil wir immer mehr verarbeiten, und weil wir uns selbst unter Druck setzen, weil wir zu viel wollen, und zu viel zu müssen meinen. Wir glauben, dass es keine ungenutzte Zeit geben darf, und wir bewegen uns, um der Bewegung willen.

Politik geht alle an, weil alle von ihr betroffen sind. Aber wo bringen wir Politik unter? Die demokratische Idee fordert Zeit, Zeit die wir auch auf andere Weise nutzen können, und die uns vielleicht fehlt; in eigenartiger Weise steht unser Lebensentwurf der Demokratie gegenüber.

Aber brauchen wir alles, was wir tun? Und was ist Verantwortung? Versuchen wir still zu stehen, uns einmal nicht treiben zu lassen, und unseren Standort zu bestimmen. Vielleicht führt uns die Pflicht in die Politik, aber schon bald die Freunde an ihr zurück?

Aber die Dinge zwingen uns, treiben uns, strömen auf uns ein: Nimm und friss! Man muss sich gegen die Einstromdichte wehren, und vielleicht stellt man dann fest: Wir sind nicht ärmer, wenn wir weniger tun, im Gegenteil. Und wir gewinnen Freiräume, die der Demokratie zu gute kommen können.

Es stellt sich plötzlich die Frage: Freizeit oder Politik? Etwa vier bis fünf Stunden pro Tag bleiben uns, die wir frei gestalten können. Diese Angabe schwankt mit dem Lebensalter, und innerhalb der Biographie, und nicht alle sind zufrieden.

Aber vielleicht eine Stunde aufwenden? Eine halbe? Es muss nicht gleich morgen passieren, aber einen Anfang zu setzen, wäre wichtig. Und keine Angst: Niemand ist alleine Bürger, und muss sich überall auskennen. Man kann manches getrost anderen überlassen, und sich auf Teilbereiche beschränken. Also was ist?

Gastbeitrag von metepsilonema.wordpress.com (Kurzversion dieses Artikels)


Antworten

  1. [...] Finden wir Zeit? Zeit für Demokratie? « bei Zeit für Demokratie? Demokratie und Zeit.metepsilonema bei Robert Mattheis: Hohlkörper. [...]

  2. [...] ohne Zeit Als kleiner Nachtrag zum Beitrag von metepsilonema eine bildhafte Darstellung wie entschleunigt Politik trotz (oder vielleicht gerade wegen) [...]


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